Das Personenlexikon zum Dritten Reich: Wer war was vor und nach 1945
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Fleißarbeit
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(TOP 500 REZENSENT)    (VINE®-PRODUKTTESTER)    (REAL NAME)    Rezension bezieht sich auf: Das Personenlexikon zum Dritten Reich: Wer war was vor und nach 1945 (Broschiert) Über die Auswahl der hier im Lexikon beschriebenen Personen und über die Qualität der Lebensläufe kann man wirklich streiten. Sucht man nach Einträgen, die für sich allein kaum einen Sinn ergeben, wird man schnell fündig. Aber mindert das den Nutzwert dieses Buches? Hier ist es der Untertitel, der für Klarheit sorgt. Intention von Klee war es offenbar, hier aufzuzeigen, welche persönlichen Kontinuitäten zwischen dem Dritten Reich und dem Nachkriegsdeutschland gegeben hat. Im Ergebnis sind deshalb hier vor allem Mitglieder der mittleren Führungsebene des Dritten Reiches vertreten. Aber genau damit füllt Klee eine Lücke. Die Prominenz nämlich, die wird bei Guido Knopp doch schon bis zum Erbrechen abgehandelt. Wer dieses Regime aber wirklich am Funktionieren gehalten hat, das sind aber oft genug die, die dann nach 1945 eben doch als Mitläufer eingestuft wurden. Und dann im Nachkriegsdeutschland wieder schnell zu Ruhm und Ehren kamen.

Ärzte und Juristen, das waren die zwei Berufsgruppen, die sich über die Katastrophen der deutschen Geschichte offenbar am besten retten konnten. Liest man das Buch mit seinen 4.300 Einträgen einfach mal quer, erhält man einen guten Eindruck, wie sich Eliten sich nach dem verlorenen Krieg schnell wieder fanden. Auch die Diskrepanz zwischen den durch Urteil verlangten Haftstrafen und der tatsächlichen Haftdauer überrascht in vielen Lebensläufen. Als Täter war man offenbar 1953 in der Regel schon wieder frei. Als Opfer war man 1953 in der Regel schon fast ein Jahrzehnt tot. Es stimmte halt etwas nicht, nach dem Krieg, im Deutschland des beginnenden Wirtschaftswunders.

Wenn man das Buch kritisieren kann, dann sicherlich nicht aufgrund einzelner Fehler in der Masse von 4.300 Lebensläufen. Ich hätte mir eher gewünscht, dass mehr einzelne Lebensläufe exemplarisch herausgehoben und näher beschrieben worden wären. Dadurch wäre das Bild einer deutschen Elite, die Schreckliches angerichtet hat, noch genauer, verständlicher und für die Zukunft warnender geraten. Denn auch heute haben wir genug Karrieristen, die durchaus bereit sind, auch schlechte Weisungen gut und professionell umzusetzen, wenn es denn nur dem eigenem Erfolg dient. Und diese Freiheit von humanistischen Werten ist genau das, was den Verbrechern an der Spitze dann den Erfolg erst ermöglicht.

Für mich ist das ein wertvolles Buch, dessen Lektüre ich hier empfehlen möchte.
Eine Rezension von Ein Kunde
vom 29. September 2009
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